Chulilla: Wo die Arme brennen und die Dinos ausgestorben sind
Cañón del Turia
1685km in Richtung Süden
Ein neues Jahr bricht an und wir brechen auf um dem grauen Winter in Deutschland kurz den Rücken zu kehren, viel Sonne zu tanken und die Abenteuerlust zu stillen. Am 04. Januar geht es mit dem Bus ab nach Spanien, mit dem Ziel: Chulilla
Mit einer Anreise von 17 Stunden die wir jedoch in zwei Etappen eingeteilt hatten, war die Anfahrt gerade noch erträglich. Bei einem kurzen Stop in Port of Tarragona konnte ich es mir nicht nehmen lassen, meinen blattgesessenen Hintern, in das zu dieser Zeit eiskalte Mittelmeer, zu halten und die Müdigkeit von der kurzen und kalten Nacht abzuschütteln. Nach weiteren 3 Stunden Autofahrt sind wir am Ziel angekommen.
Blick vom Sex Shop auf Chulilla
Chulilla ist ein charmantes Dorf in der Provinz Valencia, welches besonders von Kletternden aufgesucht wird. Das kleine, auf einem Hügel gelegene Dorf besticht durch enge Gassen, weiße Häuser und eine atemberaubende Kulisse durch den Cañón del Turia.
Neben der malerische Landschaft in die Chulilla eingebetet ist, sind es vor allem die endlosen, abwechslungsreich strukturierten Kalksteinwände, die sich entlang des Canyons erstrecken, die diesen Ort für jene so besonders macht, die sich gerne der Schwerkraft an naturgewachsenen Kletterrouten widersetzen.
Die kalten Monate in Deutschland (Oktober bis April) lassen sich hier mit durchschnittlich 15 °C am Tag mehr als aushalten. Mehr noch: Trifft einen die Sonne mit ihrer geballten Kraft, kann das sogar unverhofft für Sommergefühle sorgen. In der Nacht wird man mit Temperaturen kurz vor dem Gefrierpunkt an die heimische Jahreszeit erinnert. Dennoch herrschen Tagsüber ideale Bedingungen für die Kletterei. Also, let’s f***go!
Ein Paradies nicht nur für Sportkletternde
Chulilla hat sich zu einem der prominentesten Klettergebiete Spaniens entwickelt. MIt über 1.300 Sportkletterrouten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden, bietet das Gebiet sowohl Anfängerinnen, als auch für erfahrene Kletterende ideale Bedingungen. Die meisten Routen bewegen sich jedoch im Bereich 6b bis 8a und bieten anspruchsvolle, technische Kletterei an steilen, oft überhängenden Wänden mit traumhaften Tropflöchern, Tufas und Leisten. Die Felsstruktur ist damit äußerst abwechslungsreich und von hoher Qualität.
Der Cañón del Turia ist eine spektakuläre Schlucht in der Provinz Valencia die vom Fluss Turia geformt und dem Naturschutzgebiet Parque Natural de los Calderones zugehörig ist. Der Fluss fließt in vielen Windungen durch enge, beeindruckende Felswände und hat im Laufe der Jahrtausende eine tiefe Schlucht geschaffen. Der Canyon beginnt in der Nähe des Ortes Chulilla und mündet in ca. 4km in den Embalse de Loriguilla, den Stausee von Loriguilla. Bei der Wanderung durch den Canyon ist man von imposanten Felswänden umgeben, in Anbetracht derer man sich winzig und zerbrechlich vorkommt. Die vielfältige und teils urwaldartige Flora und Fauna, sowie der kaltklare Fluss evozierten in mir die Vorstellung, in einem Jurassic Park ähnlichen Filmset zu wandern, ein Begegnung mit einem Dinosaurier blieb jedoch aus. Dafür waren die Auswirkung der jüngsten Überschwemmung vom Oktober 2024, die besonders in der Region Valencia zahlreiche Leben fordert, stellenweise deutlich sichtbar. Eine Brücke die zum Sektor Feunte del Tato führt war weggerissen und man kam nicht umher, sich mit seinen Füßen in das eiskalte Wasser zu begeben um das andere Ufer zu erreichen.
51.2 - Pared Blanca - La bonne conexion (7b+)
Einmal lächeln bitte: Shooting im Nanopark
In einem Versuch, dem Schlaraffenland der Vertikale würdige Actionfotos zu schießen, habe ich es mir auf 25m in einem Stand, den Jan für mich in der benachbarten Route aufgebaut hat, gemütlich gemacht. Die Idee war es, ihn und Julian auf Augenhöhe an der Wand mit der Kamera zu begleiten. Nach ca. 20min haben sich meine Beine und Po dafür entschieden, einen kleinen Nap einzulegen. Für die Fotos hat es sich aber definitiv gelohnt. Ein Takeaway für mich: Für die nächsten Fotosession an der Wand, möchte ich die Position der Sonne mehr berücksichtigen. Einmal im Stand eingebaut, hat man nicht all zu viel Möglichkeiten alternative Perspektiven einzunehmen. Natürlich drängt sich da sofort der Gedanke an eine Drohne auf…
Kleine Kletterpause gefälligst? Ja, dann lass halt bouldern!
Um dem Körper, insbesondere den Fingern, etwas Erholung zu gönnen, legten wir einen Ruhetag ein. Ein ungeplanter Tagesausflug führte uns in die kleine, charmante Stadt namens Lliria in der Provinz Valencia. Neben der malerischen Landschaft, in die das Städtchen eingebettet ist, gefiel mir besonders der authentische und wenig vom Tourismus geprägt wirkende Stadtkern.
Eine ebenfalls dem Zufall überlassene Erkundungstour führte uns durch enge Gassen, an einem zum Wahrzeichen Llírias, dem Kloster Real Monasterio de San Miguel de Liria. Dieses Kloster spiegelt nicht nur Jahrhunderte spiritueller und künstlerischer Tradition wider, sondern liegt auch auf einem Hügel, von dem aus sich die gesamte Stadt und das Umland überblicken lassen. Es lohnt sich, dort mit Snacks und einem Glas Wein aufzuschlagen, um gegen Abend die Sonne zu verabschieden und zu beobachten wie die Landschaft in goldschimmernden Licht getaucht wird.
Auf den Straßen von Llíria
"Da ist doch Chalk am Felsen….ohaa, was haben wir den da?”
Ein persönliches Highlight war ein Boulder, der sich auf dem Weg zum Kloster hinter einer Anhöhe verbarg. Zunächst ging ich davon aus, auf ein „geheimen“ Boulderspot eines Locals gestoßen zu sein, es stellte sich jedoch heraus, dass dieser bereits bei TheCrack aufgelistet und etwa 700 Mal begangen wurde, was mein Hype jedoch nicht im Geringsten gemindert hatte. Die Vorerschöpfung der Klettertage zuvor war deutlich spürbar und ließ uns bereits an vermeintlich einfachen Bouldern scheiten. Wir beließen es bei einer kleinen Session. Auf den Bilder hängen wir in der Route Trozo de pastel (6B+) im Sektor Cara este, einem der zwei Sektoren. Sollte es mich nochmal in die Ecke verschlagen (sehr wahrscheinlich), dann werde ich definitiv einen Tag fürs bouldern einplanen, aber bis dahin wird kräftig trainiert.

